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Bürgermeister 1883 bis heute

Aus Geschichte Spillern

Der Artikel gibt einen Überblick sowie eine historische Einordnung über die Bürgermeister von Spillern seit der Ernennung zur eigenständigen Gemeinde im Jahr 1883.

Tabellarische Übersicht

Amtszeit geboren gestorben
Person Beruf von bis Partei am in am in
Georg Führer Bauer 1883 1886 - 24.12.1823 Spillern 16.10.1899 Spillern
Wenzel Matauschek Kaufmann 1886 1888 - 08.11.1831 Vanice (Böhmen) 26.09.1910 Spillern
Leopold Karl Bauer 1888 1889 - 07.07.1841 Spillern 26.12.1909 Spillern
Johann Lutz Gastwirt 1889 1893 - 02.08.1835 Spillern 20.11.1896 Spillern
Leopold Harmer Fabriksbesitzer 08.04.1893 01.04.1895 - 30.08.1826 Spillern 01.04.1895 Meran
Joseph Schleps Wirtschaftsbesitzer 04.1895 27.03.1919 CSP 19.03.1852 Spillern 17.12.1934 Spillern
Michael Steinhauser Bauer 27.03.1919 06.07.1919 CSP 24.09.1862 Spillern 13.05.1930 Stockerau
Franz Tafler Eisenbahner 06.07.1919 04.05.1923 SDAP 01.06.1879 Velešice/Weleschitz 24.07.1933 Petersbaumgarten
Carl Gratzl Zimmermann 04.05.1923 23.12.1924 SDAP 28.10.1882 Spillern 16.05.1931 Stockerau
Josef Toifelhart Bauer 23.12.1924 21.03.1938 CSP, VF 22.07.1874 Spillern 09.11.1938 Stockerau
Johann Schrom Großbauer 21.03.1938 08.05.1945 NSDAP 29.07.1891 Bransouze 28.09.1956 Stockerau
Edmund Stoeger Arbeiter 09.05.1945 23.06.1945 SPÖ 29.09.1896 Stattersdorf 31.01.1959 Wien
Josef Bittner Arbeiter 23.06.1945 13.06.1947 SPÖ 04.08.1900 Stockerau 15.12.1970 Stockerau
Karl Wimmer Eisenbahner 13.06.1947 25.04.1975 SPÖ 16.12.1904 Spillern 31.08.1984 Stockerau
Karl Sablik Hochschulassistent 25.04.1975 12.04.2010 SPÖ 24.12.1942 Spillern 04.04.2024 Spillern
Thomas Speigner techn. Angestellter 12.04.2010 SPÖ 04.09.1981 Wien

Ernennungen der Bürgermeister (1883-1892)

Bis 1883 wurde Spillern gemeinsam mit der Gemeinde Grafendorf verwaltet, zuletzt von Bürgermeister Johann Brunner. Mit der Ernennung zur eigenständigen Gemeinde 1883 übernimmt Georg Führer das Amt als erster Bürgermeister von Spillern. Führer war bereits Vorstand in der Gemeinde Grafendorf. Über die Enstehung und Zusammensetzung des ersten Gemeinderates in Spillern sind keine genaueren Informationen übermittelt. Belegt ist, dass der erste Gemeinderat aus zwölf Mitgliedern bestand. Über den Zeitraum 1883 bis zur Gemeinderatswahl 1893 liegen keine offiziellen Dokumente über Wahltermine, Wahlergebnisse und Zusammensetzungen des Gemeinderats vor. Unterzeichnete Zeitdokumente geben Aufschluss über die Bürgermeister in dieser Zeit: Im Herbst 1886 wurden Gemeindedokumente von einem Wenzel Matauschek unterzeichnet, im Frühjahr 1888 wurde Leopold Karl Bürgermeister, 1889 übernahm Johann Lutz - seit 1872 auch Feuerwehrkommandant in Spillern - das Amt.

Erste dokumentierte Wahlen - Erster Weltkrieg (1893-1918)

Seit der Gemeinderatswahl 1893 liegen offizielle Dokumente zu den Kommunalwahlen vor. Im April 1893 wurde Leopold Harmer - bereits Gemeinderat in Spillern, ehemaliger Gemeinderat in Grafendorf sowie ehemaliger Landtagsabgeordneter - Bürgermeister. Im Mai 1895 verstirbt Harmer, Joseph Schleps wurde als Nachfolger eingesetzt. In den Jahren 1899, 1905 und 1911 fanden Wahlen statt in deren Folge Schleps als Bürgermeister bestätigt wurde. Die Amtsinhaber vor Schleps sind keiner politischen Partei zuzuordnen, Schleps war Mitglied der Christlich Sozialen Partei (CSP). In seine Amtszeit Schleps fällt die Gründung einer Ortsorganistation der Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) in Spillern, die 1911 bei der Gemeinderatswahl antritt.
Während des Ersten Weltkriegs wurden keine Gemeinderatswahl abgehalten.

Erste Republik und Austrofaschismus (1919-1938)

Im April 1919 legte Schleps sein Bürgermeisteramt freiwillig zurück, der Grund dafür ist nicht dokumentiert. Interimistisch übernahm der erste Gemeinderat Michael Steinhauser - auch Obmann der Milchgenossenschaft und Feuerwehrhauptmann - das Bürgermeisteramt. Am 22. Juni 1919 fanden in Spillern die ersten Gemeinderatswahlen nach allgemeinem Wahlrecht statt. Nach der Wahl erlangte die SDAP die Mehrheit der Mandate im Gemeinderat und stellte somit den Bürgermeister: Franz Tafler. Bei einer erneuten Wahl 1921 blieben die Machtverhältnisse im Gemeinderat und der Bürgermeisterposten unverändert. Im Jahr 1923 trat Tafler nach einer rechtskräftigen Verurteilung wegen Amtsmissbrauchs zurück, Carl Gratzl (SDAP) wurde vom Gemeinderat zum neuen Bürgermeister ernannt.

Im Jahr 1924 wurden Gemeinderatswahlen abgehalten, je sechs Mandate gingen an die SDAP und an die CSP. Da der Gemeinderat zu keiner Einigung kam wurde die Vergabe des Bürgermeisteramt mittels Los zwischen Carl Gratzl und Josef Toifelhart entschieden. Am 23. Dezember 1924 wurde Josef Toifelhart zum Bürgermeister ernannt, die SDAP stellte den Vizebürgermeister.

Die Gemeinderatswahlen im Jahr 1929 führten zu einer Mehrheit der sogenannten Einheitspartei, die sich aus CSP und der Großdeutschen Volkspartei zusammensetzte, im Gemeinderat. Toifelhart blieb im Amt als Bürgermeister. Auch als durch die neue ständestädtische Verfassung sämtliche Gemeinderäte durch die Bezirkshauptmannschaft ernannt wurden, wurde Toifelhart als Bürgermeister bestätigt und blieb bis 1938 im Amt.

Deutsches Reich & Nachkriegszeit (1938-1949)

Nach dem Anschluss im März 1938 setzte der NSDAP Kreisleiter Konrad Hammetter Johann Schrom - früherer Eisenbahner und Spillerner Gemeinderat (SDAP) - als Bürgermeister ein. Nachdem sowjetische Truppen am 9. Mai 1945 nach Spillern kamen, übernahm Edmund Stoeger das Bürgermeisteramt interimistisch. Ab 23. Juni 1945 scheint in den Dokumenten Josef Bittner, der zwischen 1929-1934 im Gemeinderat saß, als Bürgermeister auf. Über den Ablauf wie Stoeger und Bittner zu ihrem Amt gekommen sind gibt es keine Unterlagen. Ein provisorischer Gemeinderat bestätigte 1946 Josef Bittner in seinem Amt. Durch eine berufliche Veränderung - er hatte einen Posten beim Arbeitsamt in Stockerau bekommen - trat Bittner 1947 zurück und Karl Wimmer - bereits Gemeinderat - übernahm den Posten des Bürgermeisters.

Zweite Republik (1950-heute)

Amtszeit Karl Wimmer (1947 - 1975)

Im Jahr 1950 wurden die ersten Gemeinderatswahlen der Zweiten Republik in Spillern abgehalten. Nach dieser und den Wahlen in den Jahren 1955, 1960, 1965, 1970 blieb Karl Wimmer im Amt und war bis 1975 Bürgermeister von Spillern. Seine 28-jährige Amtszeit war eine Ära des Wiederaufbaus und der Modernisierung. Seine Politik setzte entscheidende Impulse, die die ländlich geprägte Gemeinde zu einem attraktiven Wohn- und Arbeitsort wachsen ließen. Infrastruktur, Wirtschaftsförderung und soziale Stabilität standen dabei im Mittelpunkt.

Die wichtigsten Errungenschaften und Ereignisse:

  • Hochwasser Juli 1954: Karl Wimmer rief zusammen mit dem Vizebürgermeister Edmund Stöger die Bevölkerung von Spillern zum Kampf gegen den drohenden Bruch des Eisenbahndammes der Nordwestbahn auf.[1]
  • Erweiterung des Ortes nach Osten (Parkstraße, Am Neubau)
  • Ansiedlung von Gewerbebetrieben (z.B. Kalenderfabrik Schretzmayer)
  • Bau von Kanalisation und Kläranlage
  • Hochwasser Juni 1965: mit vereinten Kräften aller Bewohner:innen konnte das Ausmaß des Hochwassers reduziert werden.
  • Verbesserung des Hochwasserschutzes (Schnellstraße Korneuburg–Stockerau)
  • Neubau der Volksschule 1969

Die nach ihm benannte Karl-Wimmer-Gasse erinnert bis heute an seinen Einsatz für die Gemeinde.

Amtszeit Karl Sablik (1975 - 2010)

Nach der Gemeinderatswahl 1975 bekleidete Karl Sablik den Posten des Bürgermeisters. Die Gemeinderatswahlen 1980, 1985, 1990, 1995, 2000 und 2005 bestätigten ihn im Amt. 35 Jahre lang - die längste Amtszeit in der Geschichte der Gemeinde - prägte Sablik die Geschichte von Spillern.
Als gelernter Historiker, Universitätsdozent und Geschäftsführer der NÖ Landesakademie brachte er nicht nur politische, sondern auch wissenschaftliche und organisatorische Expertise in die Gemeindepolitik ein.

Wichtige Entwicklungen und Projekte während seiner Amtszeit:

  • Fertigstellung des Kanalnetz
  • Verleihung des Wappens am 19. Februar 1980[2]
  • Errichtung der Wasserleitung im gesamten Ortsgebiet– ein Meilenstein für die Lebensqualität und Hygiene in der wachsenden Gemeinde
  • Bau des Kraftwerks Greifenstein (1981 - 1985)
  • Neubau des Feuerwehrhauses, 1992 eröffnet
  • Wohnbau: Förderung der Errichtung großvolumiger Wohnbauten
  • Ansiedlung von Gewerbebetrieben, wodurch die wirtschaftliche Basis der Gemeinde verbreiterte und Arbeitsplätze gesichert wurden.
  • Ortserweiterung durch die Anlage der Siedlung „Burg Kreuzenstein“ - zusätzlich der Schaffung von Wohnraum wurde dadurch auch die Eigenständigkeit und Attraktivität Spillerns gestärkt.
  • Gemeindezentrum: Ein langjähriges Anliegen Sabliks war die Schaffung eines richtigen Ortszentrums im ehemaligen Straßendorf. 2003 wurde ein modernes Gemeindeamt eröffnet, das neben der Verwaltung auch Platz für ein Gasthaus und einen Festsaal bietet. Zusammen mit Kindergarten, Volksschule und Pfarrkirche, die alle in unmittelbarer Nachbarschaft liegen, entstand der soziale und kulturelle Mittelpunkt für die Bevölkerung.[3]
  • Die tschechische Gemeinde Kanice wird Partnergemeinde (2003)
  • Erhebung Spillerns zur Marktgemeinde (2003) – eine Auszeichnung, die die Gemeinde „in Anerkennung der wirtschaftlichen Aufbauleistung und der ständigen Verbesserung der kommunalen Einrichtungen“ erhielt.[4]

Viele weitsichtige und visionäre Entscheidungen während der Amtszeit von Karl Sablik haben den Ort nachhaltig verändert. Spillern wurde dadurch von einer aufstrebenden Landgemeinde zu einer modernen, lebenswerten Marktgemeinde mit exzellenter Infrastruktur, wirtschaftlicher Stabilität und einem starken Gemeinschaftsgefühl transformiert.
Zum 25-jährigen Jubiläum als Bürgermeister wurde durch die Straßenbennung "Dr.-Karl-Sablik-Straße" in der „Burg Kreuzenstein-Siedlung“ eine dauerhafte Erinnerung geschaffen.

Amtszeit Thomas Speigner (2010 - heute)

Bei den Gemeinderatswahlen 2010 trat Thomas Speigner als bisher jüngster Spitzenkandidat zur Gemeinderatswahl an und wurde nach den Wahlen zum Bürgermeister gewählt. Die Wahlen in den Jahren 2015, 2020 und 2025 bestätigen ihn im Amt.
Nach den Wahlen 2025 wurde Speigner in seiner vierten Amtszeit erstmalig einstimmig zum Bürgermeister gewählt.[5]

Schwerpunkte und Meilensteine seiner Amtszeit:

  • Ausbau des Glasfasernetzes zur Modernisierung der digitale Infrastruktur[6]
  • Spillern, „Europas Feinkostladen“: Auszeichnung für die Unterstützung der Vermaktung regionaler Lebensmittel[7]
  • Volksschule: Im September 2023 wurde das "Jahrhundertprojekt" Volksschule eröffnet. Nach modernsten Standard - sowohl im baulichen als auch im pädagogischem Bereich - errichtet, bietet sie Platz für acht Klassen.[8]
  • Kindergarten: Im Oktober 2024 wird der, am Platz der ehemaligen Volkschule errichtete Kindergarten eröffnet. Im zweigeschossigem Gebäude ist Platz für sechs Gruppen.[9]

Quellen und Literatur

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